Daheim in der Ferne

Endlich ist es soweit: Seit gestern (bzw. nach taiwanischer Zeit inzwischen sogar schon vorgestern) bin ich wieder im gelobten Land Taiwan.

Das Wetter hat zwar bislang noch nicht so ganz mitgespielt, dafür hab ich mich aber trotzdem sofort wieder „wie zuhause“ gefühlt. Direkt die ersten Begegnungen waren nette und hilfsbereite Menschen am Flughafen. Das beginnt bei den Wegweisern direkt am Fluggate, geht weiter mit der Frau an der Immigration (die sich sehr darüber freute, dass ich regelmäßig nach Taiwan komme) und fand den Höhepunkt sicherlich in einer Toiletten-Putzfrau, die mir verriet, wo ich im Bereich des Flughafenmanagements noch versteckte freie Toiletten finde. Und wo kommt es schon mal vor, dass einem Taxifahrer freundlich den Weg zur U-Bahn zeigen, statt das große Geld zu wittern?

A propos U-Bahn: Die ist am Flughafen erst seit März diesen Jahres in Betrieb, daher konnte ich sie zum ersten mal benutzen.
Anfangs hatte ich Sorge, dass meine Planung, bereits zwei Stunden nach Landung im Hochgeschwindigkeitszug zu sitzen, etwas zu knapp bemessen sein könnte. Dann hätte ich mich um eine Änderung des noch nicht einmal abgeholten Tickets kümmern müssen.
Tatsächlich lief es aber beinahe schon viel zu glatt: Bereits 15 Minuten nach der Landung war ich „im Land“, d.h. ich hatte die Immigration hinter mich gebracht und auch schon mein Gepäck in Empfang genommen. Anschließend schnell zum Telefon-Schalter, um eine SIM-Karte zu ergattern, denn das geht am Flughafen deutlich besser als in Stadt-Läden, in denen meist niemand viel Englisch versteht. Die Flughafen-Verkaufsschalter sind leider nicht besonders gut ausgeschildert (um nicht zu sagen: gar nicht). Wenn also nicht in irgendeiner Ecke direkt „Chunghwa Telecom“ leuchtet, lohnt es sich, irgendjemanden am Flughafen zu fragen. Da hilft sogar schon der erstbeste Sicherheitsmensch, denn mit „sim card“ kann jeder etwas anfangen.
Anschließend machte ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Kurz vor Ankunft am dortigen Ticketschalter fiel mir aber zum Glück die U-Bahn wieder ein. Also kehrt gemacht und wieder zurück zum entsprechenden Bahnhof, der zum Glück ganz in der Nähe war.
Nach weiteren 15 Minuten Fahrt mit der U-Bahn war ich gut eine Stunde nach Landung am Hochgeschwindigkeitsbahnhof und konnte in aller Ruhe meine Fahrkarte abholen (das geht bis 30 Minuten vor der Abfahrt, ich hatte also noch eine halbe Stunde Puffer) sowie in Ruhe etwas trinken gehen.

Kleiner Tipp für Taiwanreisende, die gerne zügig durchkommen wollen: Sofern es nicht drängt, verzichtet vor der Immigration auf Toilettengang und sonstige Unterbrechungen und macht Euch direkt auf den Weg zum Immigrations-Schalter. Gerade bei Ankunft eines größeren Flugzeugs können 5 Minuten bis zum Anstehen am Ende einen Unterschied von 15-20 Minuten in der Warteschlange machen. Andererseits hat es bei mir noch nie länger als gut 30 Minuten gedauert, also weitaus weniger schlimm als der Standard in manch einem anderen Land.

Den ersten Abend nach meiner Ankunft in Kaohsiung im Süden Taiwans ging ich entspannt und sehr klischeehaft an: Mit einem Besuch auf dem bekannten Liouhe-Nachtmarkt sowie mit Shaved Ice und Bubble Tea.
Der Nachtmarkt hat leider inzwischen stark nachgelassen und ist nicht mehr unbedingt einen Besuch wert. Es gibt zwar immer noch viele Stände, die meisten Produkte wiederholen sich aber sehr schnell und richten sich großteils auch speziell an Touristen. Das hat mit den „echten“ taiwanischen Nachtmärkten recht wenig zu tun.

Das Eis wiederum war eigentlich nicht geplant. Der Laden befand sich direkt neben dem für Bubble Tea, also warf ich mal einen genaueren Blick drauf und wurde sogleich von der Verkäuferin angesprochen. Obwohl sie eine englische Angebotskarte hatte, bestand sie darauf, mir dennoch in der Auslage genau zu zeigen, was was ist – natürlich nicht ohne zu fragen, was ich davon alles gerne mag.

Ich bestellte trotzdem nur Ananas als einzige Zutat zum Eis, denn jede zusätzliche Zutat hätte Aufpreis bedeutet und für nötig hielt ich es nicht. Das sah die gute Frau offensichtlich anders, als sie mir einfach einige der weiteren Zutaten, die ich als lecker genannt hatte, mit unter das Eis mischte. Ohne Aufpreis natürlich. Das ist Taiwan.

Beim Bubble Tea blieb’s dafür ganz klassisch – der „originale“ Milchtee mit Tapioka-Perlen.

Auf dem Heimweg ins Hotel begegnete mir noch die brennende Tonne auf der Straße. Das ist ein in Taiwan relativ häufig anzutreffendes Bild, denn aus religiösen Gründen entfachen die Menschen diese Feuer entweder an besonderen Toten-Gedenktagen oder einfach aus persönlichen Gründen. Da in diesem Fall nur ein einziges Feuer brannte, liegt der Verdacht nahe, dass es vielleicht der Toten- oder auch Geburtstag eines verstorbenen Angehörigen war.
Verbrannt wird in den Tonnen meist Papiergeld. Kein echtes natürlich, sondern billig gedrucktes, „altes“ Geld, dass den Verstorbenen das Leben im Jenseits versüßen soll. Ebenso werden teilweise Papierautos oder -häuser verbrannt, um diese Gegenstände auf die andere Seite zu senden. Klingt komisch, aber das gilt ja für viele religiöse Themen.

Mein Hotel ist wie immer in Kaohsiung auch diesmal wieder das Kindness Hotel Zhongzheng direkt im Stadtzentrum. Eigentlich ist es das beste Hotel, das ich kenne. Geräumige, gut eingerichtete und moderne Zimmer, Ruhe, ein tolles Frühstück, kostenlose Waschmaschinen inklusive Waschmittel sowie rund um die Uhr kostenlos Torte, Eiscreme und Getränke. Viel mehr kann man sich doch gar nicht wünschen. Dazu ist das Personal sehr liebenswürdig und hilfsbereit.
Leider ist aber das Zimmer diesmal alles andere als gut. Die Klimaanlage funktioniert nicht richtig (entweder „volles Rohr“ oder aus), der Wasserdruck in der Dusche entspricht in etwa dem des derzeitigen Regens und außerdem höre ich leider aus dem Nachbarzimmer jedes noch so kleinste Geräusch. Zum Glück sind die Leute dort drin bislang relativ ruhig, aber trotzdem nervt es natürlich sehr.

Den ersten ganzen Tag in Kaohsiung habe ich daher erst relativ spät begonnen, um noch etwas Schlaf nachzuholen. Zunächst fuhr ich zur Ciaotou Sugar Refinery im Norden Kaohsiungs, um dort wie jedes Jahr am 13. Oktober (witziger Zufall, denn geplant war die taggenaue Wiederholung weder letztes noch dieses Jahr) die leckeren Qiaotou Baozi zu essen. Unglücklicherweise war der Laden aber just vom 11. bis 13. Oktober geschlossen.
Dafür spazierte ich dann etwas in der Gegend herum, die besonders für Familien mit Kindern gedacht ist (viele Spielmöglichkeiten überall und bunte, kindliche Bemalungen). Immerhin hatte es dort einen kleinen Essensstand, an dem ich weiche, ein bisschen milchbrötchenartige aber deutlich gehaltvollere Backwaren bekam.

Direkt neben dem Stand, unmittelbar vor dem Tisch, an dem ich mich niedergelassen hatte, baute sich just in dem Moment ein Musiker auf und bot seine Künste dar. Typisch taiwanisch: Traditionelle, altertümliche Musik vom Band, zu der er lediglich ein Instrument zusätzlich beisteuerte. Klang aber trotzdem sehr nett.

Nach dem kleinen Imbiss fuhr ich mit der U-Bahn zur Haltestelle Kaisyuan südlich des Stadtzentrums, um mir die ganz neu in Betrieb genommene erste Straßenbahn in Taiwan mal anzusehen. Auf dem Weg dorthin entdeckte ich auf der Karte aber zusätzlich auch einen Hinweis auf ein Eingeborenen-Kulturzentrum, das ich daher zwischendurch einschob.

Leider war es mit dem Kulturzentrum so, wie mit vielen kulturellen Einrichtungen in Taiwan: Irgendwann mal toll gedacht und bestimmt auch anfangs sehr interessant, dann aber weitgehend sich selbst überlassen und dahin vegetierend. Im Gebäude lag etwas Infomaterial herum und auf einer Leinwand flackerte eine Doku über einen der Eingeborenen-Stämme. Ansonsten gab es noch einen Schmuck- und Tandladen sowie ein Café, dementsprechend immerhin auch zwei anwesende Personen (aber keine Kunden).

Im Café gönnte ich mir einen kalten Tee, der sehr ungewöhnlich, aber auch lecker schmeckte. Kaum hatte ich mich mit dem Getränk gesetzt, war ich allein im Laden, denn die Verkäuferin kümmerte sich inzwischen draußen um andere Dinge. Erst, als ich vor die Tür trat, um sie auf ihr klingelndes Handy hinzuweisen, erschien sie kurz hinter der Theke, um sogleich mit dem Handy wieder zu verschwinden. Machte aber nix, Kunden waren ja sowieso weit und breit nicht zu sehen.

Nach dieser Pause ging’s wie erwähnt weiter zur Straßenbahn. Erste Hürde: Fahrkarte kaufen! Zwar hingen die Beförderungsbedingungen schon da und auch ein Fahrkartenautomat sowie ein Chipkartenleser standen herum. Brachte allerdings relativ wenig, weil meine EasyCard nicht akzeptiert wurde und der Automat sich eine Auszeit nahm. Erst im Internet erfuhr ich, das die Fahrt noch bis Anfang November als Probebetrieb kostenlos ist. Stand aber an der Haltestelle natürlich nirgends dran, was auch für eine Gruppe chinesischer Touristen Schwierigkeiten mit sich brachte.

Mit der Straßenbahn fuhr ich an den Hafen Kaohsiungs, schaute mir ein wenig die Container- und Fährschiffe sowie den Bau eines neuen Kreuzfahrtterminals an und ging anschließend weiter zu den neuen Veranstaltungshallen. Ein großer Bereich direkt am Hafen rund um den „Love River“ wird derzeit komplett umgebaut und künftig für Kulturveranstaltungen genutzt. Sechs unterschiedlich große Veranstaltungshallen, die „Wale“, stehen bereits östlich der Flussmündung und laden mit ihren Treppen dazu ein, die Aussicht vom Dach zu testen.
Westlich vom Love River entsteht zusätzlich ein riesiges Kultur- und Musikzentrum, das den Eindruck erweckt, als wolle es Kaohsiungs Elbphilharmonie sein (aber hoffentlich mit weniger ausufernden Kosten).

Nach der kleinen Besichtigungstour und einer frischen Dusche im Hotel, die nach einem Tag mit über 30° und extrem hoher Luftfeuchtigkeit dringend nötig war, hatte ich keine Lust auf lange Restaurantsuche. Da das Wetter mich auch wenig für einen Nachtmarkt begeistern konnte, wählte ich die ganz bequeme Variante und aß in einem Einkaufszentrum. Das klingt für einen Deutschen natürlich erstmal nach altem Frittenfett und mäßig gutem Fastfood. Ich bekam aber für rund 8€ eine Portion frisch frittierter Zwiebelringe (da war es schon, das Frittenfett…), einen kompletten frisch gebratenen Fisch mit Reis, zwei Beilagen, eine Suppe sowie ein kleines an Wackelpudding mit Teegeschmack erinnerndes Dessert und oben drauf unbegrenzt Getränke. Das Ganze in durchaus hoher Qualität, wenn man vielleicht mal von den Zwiebelringen absieht.

Weil aber so ein Abend ja noch nicht mit dem Abendessen vorbei ist, warf ich schnell eine Waschmaschine mit meiner schmutzigen Kleidung an und ließ derweil eine Thai-Massage über mich ergehen, die nicht nur unglaublich schmerzhaft und zugleich entspannend, sondern mit ca. 23€ für eine Stunde auch noch angenehm preiswert war.
So sitze ich nun frisch aufgelockert im Frühstücksraum des Hotels, lasse den Wäschetrockner seine Arbeit machen und beschäftige mich neben dem Schreiben des Blogartikels natürlich mit Eis und frischem Tee. Sorte: Relaxation. So kann’s weiter gehen.

Einige weitere Impressionen:

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