Hualien! Eine Liebeserklärung

Hualien! Diese tolle Stadt an der Ostküste Taiwans, die den meisten Touristen nur als Basis für Taroko-Ausflüge dient, hat so viel mehr zu bieten! Nur wenige Städte haben mich auf meinen Reisen so begeistert durch den perfekten Mix aus Komfort, Herzlichkeit, gutem Essen und Erholung.

Vor vier Jahren war ich bereits hier und unternahm nur das Standardprogramm vieler Taiwanurlauber: Zwei Übernachtungen, dazwischen früh aufstehen und den ganzen Tag im wundervollen Taroko-Nationalpark verbringen. Aber schon damals konnte ich feststellen, wie gastfreundlich die Menschen in Hualien sind. Da war ein tolles und gleichzeitig günstiges Hotel, das mir kostenlos eine gefüllte Minibar anbot und sich auch sonst um alles kümmerte – Anreise, Abreise, Abholung vom Hotel für den Ausflug. Und da war ein veganes Restaurant, in dem mir spontan eine Frau die chinesische Speisekarte erklärte und sich anschließend nett mit mir unterhielt. Nicht zu vergessen natürlich der Tourguide, der mir unterwegs kurzfristig ein vegetarisches Mittagessen im Nur-Fleisch-Restaurant organisierte, obwohl er selbst kein Englisch sprach.

Aber sonst? Ich hatte mir damals einen darbenden Nachtmarkt angesehen (später erfuhr ich, dass der interessante Nachtmarkt ganz woanders war) und nachts die stürmische Küste genossen. Mehr kannte ich nicht aus der Stadt, damit dürfte ich also genau dem durchschnittlichen Reisenden entsprochen haben.

Auch diesmal hatte ich wieder zwei Nächte geplant. Mehr oder weniger spontan, denn nach Kenting war ich mir nicht sicher, wohin die Reise als nächstes gehen sollte. Die Insel Lanyu hätte ich gerne besucht, aber wegen Sturms waren alle Fähr- und Flugverbindungen eingestellt worden. Laut Wetterbericht war innerhalb der kommenden 4-5 Tage mit keiner Besserung zu rechnen.
Erste Überlegungen für Alternativen waren Taitung im Südosten sowie Tainan, Chiayi und Taichung im Westen Taiwans. Nachdem die Hotelpreise in guter Lage dort aber so kurzfristig recht hoch waren und auch die Wetterprognose nicht besonders attraktiv erschien, entschied ich mich ohne große Planung für Hualien im „mittleren Osten“ der Insel.
Mein ehemaliges Hotel war leider bereits ausgebucht. Um nicht lange suchen zu müssen, schaute ich als nächste Option direkt nach dem dortigen Kindness Hotel. Das war mit 75€ pro Nacht ziemlich teuer (das teuerste Hotel meiner ganzen Reise), aber für zwei Nächte geht das schon mal. Das Hotel ist in ein paar Minuten zu Fuß vom Bahnhof aus zu erreichen und wirkt noch sehr neu. Zudem ist es riesengroß. Der Frühstücksbereich hat vermutlich um die 150 Sitzplätze und wird trotz unterschiedlicher Aufstehzeiten am Wochenende regelmäßig voll. In der Lobby plätschert ein Springbrunnen munter vor sich hin.
Zum Glück angesichts des hohen Preises stellte sich die Angabe „Business-Doppelzimmer“ auf der Buchungsseite als starke Untertreibung dar. Das Zimmer war angenehm groß, neben dem Bett war Raum für eine bequeme Sitzecke mit Couch und auch der Schreibtisch bot mehr als genug Platz. Eine bergige Aussicht aus dem Fenster machte es trotz düsterem Himmel noch angenehmer.

Da die Fahrt nach Hualien sehr lange dauerte und ich erst spät ankam, war es bereits Zeit fürs Abendessen. Wie fast immer suchte ich zunächst bei Google Maps nach vegetarischen Restaurants. Zu meiner großen Überraschung gab es die überall in der Stadt verstreut, ganz anders als noch vier Jahre zuvor. Hualien hatte sich offenbar zu einem Paradies für Vegetarier und auch Veganer entwickelt.
Etwas teurer ist es zwar seitdem geworden, aber nach wie vor ist dort ein gutes, füllendes Abendessen für um die 5-7€ zu haben.

Am nächsten Tag entschied ich mich, wieder in den Taroko-Nationalpark zu fahren, den man wohl am besten als „Wunder der Natur“ beschreiben kann. Sowohl von der Straße als auch auf vielfältigen Wanderwegen lässt sich die beeindruckende Taroko-Schlucht bewundern. Im Laufe der Jahre hat der Fluss Liwu sich seinen Weg durch die Marmorfelsen gebahnt und dabei atemberaubende Formen und Farben hinterlassen. Garniert wird der Anblick durch eine Vielzahl von Wasserfällen überall entlang des Wegs.

Dieses Mal fuhr ich nicht mit einem Tourbus, der mich 60-80€ kosten würde, festgelegte Zeiten für jeden Ort hätte und dessen chinesischsprachigen Führer ich sowieso nicht verstehen würde. Stattdessen nahm ich den Taiwan Tourist Shuttle. 250 NT$ (derzeit gut 7€) kostet die Tageskarte für den Bus und die Verbindungen sind auch recht gut.
Neunmal täglich fährt ein Reisebus mit der Liniennummer 1133A vom Bahnhof Hualien durch den Nationalpark entlang der Taroko-Schlucht hoch bis in den kleinen Ort Tianxiang. Ein zusätzlicher Minibus der Linie 1133 (ohne A) verstärkt den Fahrplan und fährt ansonsten ausgelassene Haltestellen an, beispielsweise den sehr beliebten „Eternal Spring Shrine“ an einem Wasserfall, der selbst nach wochenlanger Dürre niemals versiegt.
Achtung: Die Minibusse bieten nur zwei Fahrten täglich an, somit ist entweder eine gute Planung oder ein kleiner Fußmarsch nötig, um wieder Anschluss an die „großen“ Busse zu finden. Außerdem halten die kleinen Busse auch auf dem Weg zurück nach Hualien überall und brauchen zum Bahnhof locker 40-45 Minuten länger, lohnen sich für die Rückkehr dorthin also nicht. Dafür halten sie am Dongdamen (auch: Tungtamen) Nachtmarkt, zu dem ich weiter unten etwas mehr erzähle. Der Name der Bushaltestelle lautet „Dongdaemun Night Market“, taiwantypisch uneinheitlich.

Leider hatte ich etwas Pech mit der Wahl meiner Ausflugsziele. Zunächst fuhr ich bis ans Ende nach Tianxiang, um von dort nach einem rund zehnminütigen Fußweg entlang der Straße den Baiyang-Wanderweg zu erreichen, der wiederum unter anderem zu einem tollen Wasserfall führen würde. „Führen würde“ deshalb, weil er wegen Instandhaltungsarbeiten gesperrt war.
Folglich blieb mir „nur“ ein kleiner Spaziergang durch die zweifelsfrei schöne Landschaft mit einigen tollen Ausblicken. Auch die Xiangde-Tempelanlage, die nur über eine Fußgängerbrücke erreichbar ist, ist einen Besuch wert. In unterschiedlicher Höhe und mit Treppen verbunden finden sich Statuen, Pagoden und natürlich auch der Tempel selbst.




Danach ging es wieder etwas flussabwärts zum Yanzikou-Trail bzw. der „Swallow Grotto“. Dieser Teil der Taroko-Schlucht gilt als der sehenswerteste, weil hier das Marmorgestein besonders beeindruckend zum Vorschein kommt. Oder zumindest käme: Ich hatte schon wieder Pech. In der Zwischenzeit hatte es einen Felsabbruch gegeben und der Zugang war gesperrt worden. Leider ein sehr häufiges Problem in diesem Gebiet, auch auf den Straßen finden sich immer wieder einzelne Felsbrocken. Deshalb werden an einigen Orten Schutzhelme an Besucher verteilt.

Zu guter Letzt versuchte ich mein Glück wieder etwas weiter oben in den Bergen und fuhr nach Lushui. Diesmal wurde ich tatsächlich belohnt! Der dortige Wanderweg entlang der Felsen ist ein sehr einfacher Pfad ohne allzu große Steigungen, wenn man mal von Treppen zu Beginn absieht. Außerdem führt er über eine Hängebrücke und unter einem kleinen Wasserfall hindurch, der für etwas angenehme Abkühlung sorgt.
Ein weiteres kleines Highlight ist der Weg durch eine dunkle Höhle. An deren Eingang erklärt ein Schild, dass der Durchgang rund 30 Meter lang ist und man erst nach einer Biegung wieder Tageslicht erblicken wird.




Am Abend, zurück im Hotel, probierte ich mal das „late night supper“ aus. Die angeblich kleine nächtliche Mahlzeit ist zumindest für Fleischesser ein vollständiges, üppiges Abendessen. Als ich eine Hotelangestellte nach der Füllung einer Teigtasche fragte, erlebte ich wieder die Hualien-typische Gastfreundschaft: Sofort führte sie mich um das komplette Buffet und erklärte mir genau, was ich alles essen könne und was besonders gut sei. Am nächsten Morgen erkannte sie mich wieder und brachte mir sogar extra etwas Obst.
Weil ich mich rundum wohl fühlte und vor allem das Gefühl hatte, Hualien selbst noch nicht ausreichend gesehen zu haben, fragte ich im Hotel nach einer Verlängerung um eine Nacht. Auf der Buchungsseite war leider schon alles ausverkauft. Glücklicherweise gab es trotzdem noch freie Zimmer und ich durfte meins sogar behalten. Der Preis von 2800 NT$ (knapp 80€) war etwas happig, aber gerade noch ok, also akzeptierte ich das Angebot. Danach fiel der Dame an der Rezeption jedoch ein, dass ich ja alleine im Doppelzimmer schlafen würde. Also reduzierte sie kurzerhand den Preis auf 2000 NT$ und damit unter 60€. Außerdem sei es selbstverständlich ausreichend, wenn ich bis 12 Uhr am nächsten Tag bezahlen würde (trotz regulärem Check-Out um 11 Uhr).

Nach der guten Nachricht war es nur angemessen, den Abend mit einer Massage ausklingen zu lassen. Üblicherweise kostet eine einstündige Ganzkörpermassage in Taiwan rund 800 NT$, also zwischen 20 und 25€.
Die meisten der umliegenden Massageläden hatten außen am Gebäude keine sichtbaren Preistafeln angebracht, aus gutem Grund. Als ich so ein Etablissement betrat, wurde mir direkt ein Preis von 2000 NT$ angeboten, dafür aber mit „Extra-Service“. Danke für das Angebot, aber eine reine Massage wäre mir doch lieber gewesen.
Daraufhin spazierte ich eine ganze Weile durch die Stadt, bis ich – schon fast zurück beim Hotel – doch noch ein „800“-Schild sah. Der Blick durchs Fenster zeigte ein älteres Ehepaar und etwas in die Jahre gekommene Einrichtung, ließ aber zumindest keine unerwarteten Zusatzangebote erwarten. Die anschließende Massage war professionell, aber wohl die schmerzvollste, die ich je erlebt habe. Noch Tage später hatte ich im ganzen Körper das Gefühl eines Muskelkaters. Ich weiß nicht, welche Art der Massage ich dort genossen habe, aber zumindest war es wohl nicht die übliche Thai-Massage.

Tags darauf war endlich die Zeit gekommen, um Hualien genauer zu besichtigen. Ich spazierte durch die Stadt zum Martyrs Shrine, der eigentlich geöffnet hätte sein sollen, es aber nicht war. So beschränkte sich die Besichtigung auf die Außenansicht sowie einige Blicke durch die Fenster der Gebäude.



Direkt daneben traf ich auf etwas seltsame Einrichtungen. Ein Unterstand, wie sie oft für Gastronomie an Ausflugszielen genutzt werden, war mit sehr kleinen Tischen und Stühlen vollgestellt, als wäre es das Klassenzimmer einer Schule. Dicht daneben wirkten mäßig gepflegte Spielgelegenheiten und bizarre Tierfiguren eher abschreckend als einladend. Immerhin machten die Sportgeräte einen noch recht neuen Eindruck.


Hinter diesem mysteriösen Ort begann ein Pfad über den kleinen Berg Meilunshan. Ich ging nicht Richtung Gipfel, sondern eher am Rand entlang bis zu einem Ausgang, an dem eine überdimensionale Maus taiwantypisch grüßt.

Wenige Meter entfernt entdeckte ich vor einem Militärstützpunkt einige ausgestellte Geräte und machte den typischen Anfängerfehler: Ich fotografierte. Keine Minute später fuhr bereits ein Minivan vor, aus dem mich ein Mann gründlich beobachtete. Offenbar erkannte er aber, dass ich mich nur für die Ausstellung und nicht so sehr den Stützpunkt selbst interessierte. Folglich drehte der Wagen wieder um und verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Das nahm ich zum Anlass, lieber mal weiter zum Meilunxi Riverside Park zu spazieren. Auf dem Weg dorthin begegneten mir einige verlassene und teilweise verfallene Häuser, die sich inzwischen die Natur angeeignet hatte.
Beidseits des Flusses Meilun bieten Rad- und Fußwege Ruhe vom Stadtverkehr. Eine Vielzahl von Anglern versuchten, einige der Silberkarpfen zu erwischen, die zu tausenden im Fluss schwammen und immer wieder Sprünge aus dem Wasser machten.
Ebenfalls am Fluss steht das Manor House, ein altes japanisches Haus. Allzuviel zu sehen gibt es dort nicht, wenn man nicht der chinesischen Sprache mächtig ist, aber das Gebäude selbst mit seinen Nebengebäuden ist hübsch und in einem Raum können zahlungswillige Kunden japanische Kleidung anprobieren.



Von dort ging ich in Richtung Küste und durfte auf dem Weg dorthin die taiwanischen Vorstellungen eines gemütlichen Radwegs erleben.

Immerhin erfuhr ich aber auch, wie viele Kalorien ich beim „Meilun River Walking Walk“ verbrennen würde, wenn ich nur maximal 90kg wöge.

An der Flussmündung angekommen, beobachtete ich im Beibin Park eine Weile lang Surfer auf der Jagd nach der perfekten Welle, gelegentlich unterlegt vom lauten Schiffshorn des nebenan ankernden Frachters.

Als die Dämmerung allmählich einsetzte, nahm ich Kurs auf den schon erwähnten Dongdamen Nachtmarkt. Der befindet sich genau dort, wo ich vier Jahre zuvor vom damaligen Nachtmarkt sehr enttäuscht wurde. Seitdem wurde an dem Ort alles neu gebaut und mehrere Nachtmärkte der Stadt zentral zusammen gelegt. Die Straßen sind sehr großzügig angelegt und frei von Autos, die einzelnen Stände sind ordentlich aufgereiht und im Zentrum bietet eine kleine Bühne Gelegenheit für Livemusik. Allerdings fehlt das typische Gewusel, das für viele Menschen die Nachtmärkte ausmacht. Ich dagegen war ganz froh, mich ohne großes Gedränge frei bewegen zu können.
Der Nachtmarkt ist in drei Straßen unterteilt: Die „Streets of China Cuisines“, der „Futing Night Market“ und als Verbindungsstück eine zweigeteilte Straße mit dem „Zhiqiang Night Market“ sowie „Streets of Aboriginal Cuisines“. Der Futing Night Market besteht hauptsächlich aus Spielbuden, während die übrigen Straßen sehr leckeres und vor allem vielfältiges Essen bereit halten. Für mich ist der Nachtmarkt aufgrund seiner Vielfalt und auch der Qualität des Essens einer der besten Taiwans.

Gut gesättigt ging’s so für die letzte Nacht zurück zum Hotel, bevor ich am nächsten Tag in die Hot-Spring-Stadt Jiaoxi im Landkreis Yilan fuhr. Mehr darüber beim nächsten Mal.

Mein Fazit aus Hualien: Eine tolle Stadt mit angenehmen Erholungsmöglichkeiten, tollen Menschen, guten Restaurants und einem hervorragenden Nachtmarkt. Dazu direkt an der Küste gelegen sowie gleichzeitig mit guten Busverbindungen in die Berge und den beeindruckenden Taroko-Nationalpark. Hualien ist einfach ein Wohlfühlort!
Auch der Verkehr ist übrigens deutlich angenehmer als in den meisten anderen Städten. Die Straßen sind zwar großzügig angelegt, teilweise gibt es aber selbst an vier- bis sechsspurigen Straßen keine Ampeln und man kann gemütlich drüber spazieren.
Ich werde sicherlich bei meinen nächsten Reisen wieder einige Nächte in Hualien verbringen, um Stadt und Umland weiter zu erkunden.

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